Leuchtturmprojekt für mehr als 200 Millionen Euro

Arbeiten für neue Kläranlage in Remagen
Kreis Ahrweiler. Die zerstörte Kläranlage in Sinzig wird durch einen Neubau an hochwassersicherer Stelle ersetzt – für rund 230 Millionen Euro. Das Projekt ist als bundesweite Modellanlage geplant und soll weitgehend energieneutral arbeiten. So geht es dort weiter.
Es dürfte gemeinsam mit dem Neubau der Bahnstrecke nach Ahrbrück das teuerste Projekt im Wiederaufbau werden: der Bau einer neuen Kläranlage in Remagen. Mehr als 200 Millionen Euro wird das Projekt kosten, das – nach derzeitiger Planung – 2030 fertiggestellt sein soll. Der Neubau war erforderlich geworden, nachdem die Flutkatastrophe vor vier Jahren an der vorhandenen Anlage in Sinzig ihre zerstörerische Kraft gezeigt hatte. Voraussichtlich im kommenden Jahr soll auf einem Grundstück an der Grenze zwischen Remagen und Sinzig der Bau der nach neuesten technischen Abwassertechnologien konzipierten Anlage beginnen. Der Schwerpunkt der Arbeiten wird jedoch auf den Jahren 2027, 2028 und 2029 liegen. Dies teilte die Werksleitung bei einer Versammlung des Zweckverbands mit.
Die Ahrflut hat das gesamte Abwassersystem im Ahrtal zerstört, so auch die Sinziger Kläranlage. Sie wird nun an hochwassersicherer Stelle mit bundesweitem Modellcharakter wiederaufgebaut – unweit der alten Anlage, etwa 300 Meter Luftlinie zum Ortsteil Kripp entfernt. Es ist das größte wasserwirtschaftliche Wiederaufbauprojekt im Ahrtal mit Investitionen von rund 230 Millionen Euro. Bereits vor Monaten überreichte Umweltministerin Katrin Eder einen ersten Förderbescheid von 20 Millionen Euro zum Start des Neubaus der Kläranlage. Die Vertreterin der Landesregierung sprach von einem Leuchtturmprojekt.
Anlage soll auch Spurenstoffe herausfiltern
„Ausgestattet mit einer vierten Reinigungsstufe wird die Anlage eine Reinigungsleistung auch für Spurenstoffe erbringen“, erklärte der technische Werkleiter Martin Hoffmann bei der jüngsten Versammlung des Zweckverbands, dem unter anderem die Städte Bad Breisig, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen und Sinzig angehören. Die neue Kläranlage soll zudem weitgehend energieneutral arbeiten, also möglichst den eigenen Energiebedarf aus dem Faulgas und durch Solarenergie decken. Bernd Lischwe, kaufmännischer Leiter des Abwasserbetriebes: „Zugleich ist das Projekt auch ein Modellprojekt der Digitalisierung, in dem die Anlage bereits mit digitalen Methoden geplant wird und durch den Einsatz künstlicher Intelligenz auf den modernsten Stand der Prozesstechnik gehoben wird.“ Die neue Anlage hat eine Kapazität von 174.000 Einwohnerwerten und umfasst eine Fläche von rund sieben Hektar, was etwa zehn Fußballfeldern entspricht. Ist das Vorzeigeprojekt fertiggestellt, soll die alte Anlage im Hochwassergebiet von Sinzig abgebaut werden.
Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl erklärte als Vorsitzender des Abwasserzweckverbandes „Untere Ahr“: „Der Neubau der Kläranlage ist durch seine finanzielle und bauliche Größe sowie wegen seiner Bedeutung für die sechs angeschlossenen Kommunen ein Mammut-Projekt im Wiederaufbau. Wir sind dem Land für seine große Unterstützung bei diesem Projekt sehr dankbar.“
Radweg und Gasleitung werden derzeit verlegt
Wie geht es nun weiter? Die aktuellen Beschlüsse werden in die Entwurfsplanung eingearbeitet und im Frühjahr 2026 nochmals den politischen Gremien vorgestellt. Für April/Mai ist dann eine Einwohner-Informationsveranstaltung vorgesehen. Derzeit werden der Radweg und die Gasleitung verlegt, da beide durch das zukünftige Gelände der Kläranlage führen. „Der Radweg Sinzig – Remagen wird also ununterbrochen nutzbar sein“, so Lischwe. Im Frühjahr wird die Zuwegung zur neuen Kläranlage gebaut (Linksabbiegespur von der B266). Damit werde auch der gesamte Baustellenverkehr „außerorts“ laufen, teilen die Verantwortlichen mit.
Der Neubau wird nach derzeitigem Stand 230 Millionen Euro kosten. Bereits überwiesen wurden Zuschüsse von 163 Millionen Euro. Lischwe: „Es sind weitere Zuschussanträge in Arbeit, sodass sich die Beträge noch ändern werden.“
Bild: AZV
Text: General-Anzeiger















